Hinweis: Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei.
Warum Werner Jung-Diefenbach aufgeben musste
Von Joachim Heidersdorf
Der Angeklagte erzählte in seiner 45-Minuten-Beichte, er habe am letzten September-Wochenende des vergangenen Jahres gewusst, «dass es so nicht weitergeht». «Ich habe mich entschlossen, die Unterschlagungen zu beenden und vollumfänglich reinen Tisch zu machen», sagte Werner Jung-Diefenbach. Nach der letzten Barabhebung von 7500 Euro am 28. September 2009 sei er zu seinem Rechtsanwalt gegangen, habe alles gestanden und am gleichen Abend auch seine bis dahin ahnungslose Familie informiert. Zwei Tage später, am 1. Oktober, habe er in einem Treffen mit Finanzdirektor Hans-Peter Althausen und Justitiar Gernot Sydow seine Verfehlungen zugegeben.
Althausen habe ihm sofort fristlos gekündigt und untersagt, über die Hintergründe der Entlassung zu sprechen. Die Höhe der Unterschlagungen dürfe niemals ans Licht kommen, soll Althausen gesagt haben – und dass er noch überlege, strafrechtliche Schritte einzuleiten. Falls sich das Bistum dazu entschließe, wolle man ihm, Jung-Diefenbach, die Möglichkeit geben, selbst zur Staatsanwaltschaft zu gehen.
Aufgrund der «Vereinbarung» mit Althausen habe er auch die NNP belügen müssen, die den Finanzskandal am 9. Oktober ans Licht brachte. «Das habe ich bitter bereut», sagte Werner Jung-Diefenbach. Der Angeklagte warf den Verantwortlichen des Bistums vor, sich nicht an die Vereinbarung gehalten zu haben. «Ich treffe keine Absprachen mit Leuten, die so kriminelle Handlungen vornehmen», konterte Althausen. Das Risiko, zu warten, bis sich der Betrüger stellt, habe er nicht eingehen wollen. «Wir arbeiten mit Steuergeldern und haben eine Transparenzpflicht.»
Die Schlinge zog sich zu
Der Finanzdirektor stellte den Weg bis zum Geständnis völlig anders dar. Der Rentamtsleiter habe am Ende gar keine andere Möglichkeit gehabt. «Ich habe zunächst nie an eine Manipulation gedacht», räumte Althausen ein. «Erst in den letzten drei bis fünf Wochen wurde mir etwas mulmig. Da war ich mir nicht mehr sicher, ob vielleicht doch etwas getrickst worden ist.»
Am 24. September platzte dem Dezernenten der Kragen. Erst telefonisch und dann schriftlich setzte er Werner Jung-Diefenbach die Frist, bis zum 30. September die fragliche Forderung an den Gesamtverband bezüglich des Kindergartens am Huttig und seine Verrechnungen mit der Stadt Limburg schriftlich aufzuschlüsseln. Andernfalls werde eine Unterschlagungsprüfung angesetzt.
Althausen bestätigte, dass in dem ersten Gespräch mit Jung-Diefenbach und dessen Anwalt besprochen wurde, zu diesem Zeitpunkt keine unklare Schadenssumme an die Öffentlichkeit zu bringen. Er habe jedoch nachweislich schon vor dem zweiten Gespräch am 5. Oktober die Limburger Staatsanwaltschaft eingeschaltet, nach Rücksprache mit den Strafverfolgern Jung-Diefenbach darüber jedoch im Unklaren gelassen. hei
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