Limburg/Hadamar. Der Finanzskandal im Bistum hat nicht nur die Katholische Kirche erschüttert, die Menschen in der Region sind schockiert: Der langjährige Rentamtsleiter Werner Jung-D. hat angeblich rund fünf Millionen Euro veruntreut ...

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Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei
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Ex-Rentamtsleiter soll fünf Millionen Euro unterschlagen haben


Am Anfang wollte es keiner glauben, am Ende konnten die ständig neuen Hiobsbotschaften niemanden mehr überraschen. Fassungslos registrierten die Verantwortlichen im Bischöflichen Ordinariat (BO) und die Öffentlichkeit, wie die Abgründe, die sich um Werner Jung-D. auftaten, immer tiefer und die Schadenssummen immer höher wurden.
Rund fünf Millionen Euro soll der langjährige Leiter des Rentamts in Hadamar in die eigene Tasche gesteckt haben; strafrechtlich relevant sind allerdings nur die vergangenen fünf Jahre, die früheren Straftaten sind verjährt. Die Staatsanwaltschaft listet in der Anklage 62 Unterschlagungen zwischen Oktober 2004 und September 2009 auf: Der Kassenchef habe in dieser Zeit 360mal (!) jeweils 7500 Euro und zwei Mal jeweils 5000 Euro in bar abgehoben – insgesamt 2,7 Millionen Euro.
Der Beschuldigte hat sich laut Anklage auf dem Konto des Gesamtverbandes der Katholischen Kirchengemeinden Limburg bedient, der die elf Kindertagesstätten der Limburger Pfarreien als Träger verwaltet. Der Rentamtschef ging dabei immer nach dem gleichen Muster vor, so der Vorwurf. Die Barabhebungen ließ er mit der Begründung verbuchen, dass das Geld für die Stadt Limburg bestimmt sei und unmittelbar auf einem Konto der Stadt gutgeschrieben werde. Seinen Mitarbeitern habe er gesagt, dass er mit diesem Verfahren Überweisungsgebühren sparen wollte. Den Minusstand auf dem Rentamts-Konto soll der Mann durch ein raffiniertes System von Verrechnungen („Luftbuchungen“) und fingierten Forderungen verdeckt haben.

Auch die eigene Pfarrei betrogen


Oberstaatsanwalt Hans-Joachim Herrchen wirft dem geständigen 55-Jährigen Untreue in 362 Fällen vor. Jung-D. hat laut Anklage gewerbsmäßig gehandelt, in dem er sich über einen längeren Zeitraum eine dauerhafte Einnahmequelle gesichert, einen Vermögensverlust großen Ausmaßes herbeigeführt und seine Stellung als Amtsträger missbraucht habe. Dafür droht dem am 2. Oktober suspendierten und am 9. Oktober verhafteten Lindenholzhäuser eine Freiheitsstrafe zwischen fünf und zehn Jahren. Die vom Bistum mit der lückenlosen Aufklärung beauftragte Prüfungsgesellschaft hat zusätzlich von 1999 bis 2004 Unterschlagungen in Höhe von 2,3 Millionen Euro ermittelt. Rund eine Million fiel erst am Schluss der Untersuchungen auf: So viel zweigte Jung-D. angeblich von 1983 bis 2002 vom Konto seiner eigenen Kirchengemeinde St. Jakobus Lindenholzhausen ab, auf das seine Mitbrüder und -schwestern ihr Kirchgeld und Spenden eingezahlt haben. Meistens habe sich der Betrüger 1000 Euro am Geldautomaten geholt. Der Pfarrei, für die er als ehrenamtlicher Kirchenrechner arbeitete, entstand ein Verlust von 59000 Euro. Die restlichen Gelder habe Jung-D. zuvor vom Rentamt auf das Konto von St. Jakobus überwiesen.

Wo sind die Millionen?

Strafverfolger und Prüfer haben nach wie vor keine vollständige Erklärung für den Verbleib der Millionen. Ein Teil floss in zwei Häuser, die in den Besitz des Bistums übergehen werden, und in die Familie. Jung-D. behauptet, dass er durch aufwendigen Lebenswandel den Rest ausgegeben hat. Unbeantwortet bleibt zudem die Frage, warum der Betrug in diesem großen Stil jahrelang nicht aufgefallen ist. hei

[Hier] im Webauftritt von Lindenholzhausen.de finden Sie unseren Artikel "Unterschlagung - Ist nun alles bekannt? " mit der Historie und entsprechenden Links.