Limburg-Lindenholzhausen. Die Ermittlungen der Prüfer sind abgeschlossen, doch die drei zentralen Fragen im Finanzskandal des Bistums bleiben offen ...

Hinweis:
Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei
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Von Joachim Heidersdorf

... Wie konnte ein Mensch wie Werner Jung-Diefenbach zum skrupellosen Kriminellen werden, der nicht nur die vermeintlich anonyme katholische Kirche im großen Stil betrog, sondern sogar in seiner eigenen Pfarrgemeinde Spendengelder in die eigene Tasche abzweigte?

Wo sind die fast fünf Millionen Euro geblieben?

Warum ist das Verschwinden dieser riesigen Summe nicht aufgefallen?


Dies kann bislang niemand begreifen. Wir haben das Bischöfliche Ordinariat deshalb mehrfach zu einer detaillierten Erklärung aufgefordert, das BO wollte aber erst die Untersuchungen abwarten. Die Aufklärung ist überfällig. Sonst muss die Diözese neben dem Finanz- auch noch einen Vertrauensverlust hinnehmen. Die Kirchenmitglieder, denen seit Jahren harte Sparprogramme zugemutet werden, dürfen erwarten, dass ihre Gelder professionell verwaltet werden. Mit dem gebetsmühlenartig wiederholten Hinweis der Verantwortlichen, sie hätten ja sofort Strafanzeige gestellt und auf lückenlose Aufklärung gedrängt, werden sich die mesiten nicht zufriedengeben. Das ist eine Selbstverständlichkeit!

Für Außenstehende ist es nicht nachvollziehbar, dass ein Einzelner Kontrollsysteme derart massiv aushebeln kann. Die Kontrollen haben auf jeden Fall versagt, auch wenn der langjährige Kassenchef im Rentamt mit Hilfe von «Luftbuchungen» und fingierten Forderungen besonders raffiniert vorgegangen ist.

Die Unterschlagungen waren wohl vor allem auch deshalb möglich, weil seine Vorgesetzten ihm offensichtlich blind vertrauten. Wie alle, die Werner Jung-Diefenbach kannten und für ihn die Hand ins Feuer gelegt hätten. Der Mann war ja nicht nur in der Kirche und im Dorf hoch angesehen. Gesellschaftlich schaffte er es bis zum stellvertretenden Präsidenten des Hessischen Sängerbundes, politisch hätte er es bis zum Vize-Bürgermeister in Limburg bringen können. Vor sechs Jahren gehörte das CDU-Miglied zum engsten Kreis der Kandidaten für den Posten des hauptamtlichen Ersten Stadtrats. Der Grund für seine Absage klingt im Nachhinein wie Hohn: «Das lohnt sich für mich finanziell nicht», soll er gesagt haben.

Als Rentamts-Leiter hat Werner Jung-Diefenbach deutlich schlechter verdient – legal, versteht sich. Der Selbstbedienungsladen in Hadamar war für ihn jedoch besser als ein Sechser im Lotto.

In Lindenholzhausen soll der heute 55-Jährige seinen Reichtum mit einem Lotto-Gewinn und erfolgreichen Immobilien-Geschäften begründet haben. Ob ihm sogar seine Angehörigen dieses Märchen abgenommen hat? Schwer zu glauben. Sie dürfen allerdings nicht als Mitwisser beschuldigt werden, so lange dies nicht bewiesen ist. Der Familie musste klar sein, dass das viele Geld nicht wie Manna vom Himmel fällt. Nutznießer der Straftaten war sie allemal, und deshalb ist es nur konsequent, dass sich das Bistum durch die Zwangsvollstreckung der damit finanzierten Häuser einen Teil des Geldes zurückholen will. In diesem Punkt hört die Nächstenliebe der Kirchenoberen zu Recht auf – auch in der Weihnachtszeit. Größere Geldströme hat die Staatsanwaltschaft bisher lediglich in die Familie verfolgt; insgesamt aber bei weitem nicht in dem Umfang der Unterschlagungen. Zwei schöne Häuser, ein großes Auto und teure Urlaube haben viel verschlungen, aber fast fünf Millionen können in diesem Spektrum nicht versickert sein.

Werner Jung-Diefenbach hat in einem Brief an mich angekündigt, dass im Prozess alles ans Licht kommen wird. Noch ein Märchen? Wir sind gespannt.

[Hier] finden Sie den Original Artikel auf der NNP Seite mit zahlreichen Kommentaren unter dem Artikel.

[Hier] im Webauftritt von Lindenholzhausen.de finden Sie unseren Artikel "Unterschlagung - Ist nun alles bekannt? " mit der Historie und entsprechenden Links.