Limburg-Lindenholzhausen. Die Zeit des Verfalls ist vorbei. Die Lindenmühle am Emsbach unterhalb von Lindenholzhausen hat eine Zukunft, es ist nicht zu übersehen ...

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Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei
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Das lange verlassene Gebäude im Emsbachtal erhält mit neuen Eigentümern eine Zukunft

Von Johannes Laubach


Eine stolze und lange Geschichte liegt hinter der Mühle am Emsbach. Lange sah es danach aus, als würde es keine Zukunft geben. Doch sie ist da, sie hat noch im vergangenen Jahr angefangen, ausgelöst durch einen Besitzerwechsel. «In diesem Jahr werden schon deutliche Veränderungen zu sehen sein», sagt Daniel Persy von der Eigentümergemeinschaft, die die Mühle erworben hat. 2010 könnte das Jahr der Lindenmühle werden.

In zwei Jahren sollen die Arbeiten weitgehend abgeschlossen sein, gibt Persy den Zeitrahmen vor. Die ehemalige Futterküche ist schon einmal so weit hergerichtet, dass er sie schon nutzen kann. Der neue Miteigentümer wohnt zeitweise auf der Mühle, das ist ganz praktisch für den Fortgang der Arbeiten.

Wer an die Mühle denkt, hat wahrscheinlich nicht so sehr das klappernde Mühlrad vor Augen, sondern vielmehr die Gastwirtschaft etwas abseits des geschlossenen Mühlenkomplexes. Ab dem Frühsommer sollen wieder Gäste bewirtet werden, das ist zumindest das Ziel. Der gastronomische Bereich war dort, wo sich in der Vergangenheit die ausgelagerte Ölmühle befand. Dort wird er auch in Zukunft sein. «Die Gebäudesubstanz ist noch gut», sagt Persy. Von der Technik in der Ölmühle ist allerdings nichts mehr vorhanden. Zwischen dem Hauptgebäude und dem künftigen und ehemaligen Bereich der Gastwirtschaft verläuft der Radweg, der am Emsbach entlang führt.

Dem historischen Komplex Rechnung tragen, das ist das erklärte Ziel von Persy und seinen Mitstreitern. Das ist gar nicht so einfach. In der Denkmaltopographie der Stadt wird noch eine fast vollständig erhaltene Mühlentechnik aufgeführt. Doch die ist nur noch in Bruchteilen vorhanden. Vieles ist nach Einschätzung von Persy durch Vandalismus in den vergangenen Jahren zerstört worden, anderes ist abhanden gekommen. Der Komplex liegt abseits des Ortes, da hat sich vieles abgespielt, was weder gut für die Einrichtung noch gut für die Gebäude war.

Beliebter Treffpunkt mit «Burn Room»


Die Mühle war offenbar auch ein beliebter Treffpunkt. In einem Bereich sind überall die Wände beschmiert. Über einer Tür steht «Burn Room» und wer ihn betritt, weiß auch warum. Unübersehbare Brandspuren befinden sich auf dem Boden. Vermutlich ist Öl aus einem Ofen gelaufen und ist dann entzündet worden oder hat sich entzündet, vermutet Persy.

In einem anderen Raum steht eine Kloschüssel direkt neben einem Tafelklavier. Ein Arrangement des Zufalls? Auf jeden Fall ist das Klavier stark beschädigt und die Kloschüssel nicht angeschlossen. Vielleicht lässt sich aus dem Klavier noch etwas machen, das andere geht auf den Müll. Wo die Biedermeier-Eingangstür der Mühle gelandet ist, weiß hingegen niemand. «Gestohlen», vermutet Persy. Es ist einiges weggekommen in den vergangenen Jahren.

Anderes hätte besser nicht den Weg in die Mühle gefunden. Beton und Stahl. Eingebaut offenbar mit dem Ziel, Wohnraum zu schaffen. Ausgerechnet im ältesten Teil, der eigentlichen Mühle. Und wer Beton und Stahl verarbeitet, braucht Platz. Dafür musste einiges an Mühlentechnik weichen. Das ist unwiederbringlich verloren, lässt sich nicht mehr rückgängig machen. Mehr oder weniger gescheiterte oder nicht vollendete Versuche, Wohnungen zu bauen, gibt es auch noch an anderen Stellen.

Manches wird abgerissen

«Das alte Mühlengebäude und der Stall aus Bruchstein stehen als Einzelgebäude als Einzeldenkmal unter Denkmalschutz», sagt Persy. Diese beiden Gebäude sollen künftig bewohnt werden, auch die Scheune aus Bruchstein. Die ehemalige Futterküche und das Gesindehaus sollen als Büro und Lager dienen. Anderes wird verschwinden. Ein Zwischenbau an der Scheune zum Beispiel oder eine Remise, das Toilettenhaus aus den 50er Jahren ist schon abgerissen.

Die Dächer und die Entwässerung, das stand für Persy ganz oben auf der Agenda. Da hat sich schon einiges getan. Der neue Eigentümer zeigt sich dabei angetan von der Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung und deren Abteilungen, die das Projekt begleiten. Bisher gab es keine Hindernisse, sondern nur Unterstützung. Das trifft auch auf die Stadtverordnetenversammlung zu, die den neuen Eigentümern eine Fläche von über 20000 Quadratmeter verkaufte, um das Grundstück abzurunden.

Auch wenn die Zeit der klappernden Mühlräder an der Lindenmühle unwiderruflich vorbei ist, die Wasserkraft des Emsbachs soll weiter genutzt werden. Stromerzeugung ist vorgesehen mit einer 15- Kilowatt-Anlage. Mit den pro Jahr produzierten 100 000 Kilowattstunden können nach Angaben von Persy rund 30 Haushalte versorgt werden. jl

GESCHICHTE Erste Mühle um 1326

Die Mühlengeschichte an diesem Platz unterhalb von Lindenholzhausen geht bis in das 14. Jahrhundert zurück. Die erste urkundliche Erwähnung einer Mühle datiert aus dem Jahr 1326. Bauherr der heute noch bestehenden Mühle im Jahr 1728 war die Gemeinde. Errichtet wurden neben dem Wohnhaus auch das Betriebsgebäude sowie der Stall. Auf einer Ornamenttafel mit der Abbildung einer Linde mit Palmwedeln befindet sich die Jahreszahl des Baubeginns. Im Laufe der Zeit wurden die Gebäude mehrfach verändert, vor allem in den 1880er Jahren.

Das Wohn- und Betriebsgebäude besteht aus einem Bruchsteinmauerwerk mit Fachwerkobergeschoss und Krüppelwalmdach. Ein kleinerer Wohntrakt ist dem Gebäude angefügt. Der Stall besteht aus einem unveränderten Bruchsteinbau des 18. Jahrhunderts mit Fachwerkobergeschoss. Die Stallungen weisen vier Ochsenaugenfenster aus Werksteinen auf. Die Scheune schließlich ist ein mehrfach erweiterter und veränderter Bruchsteinbau an der Ostseite des Hofes.

Ein Blick aus einem der Ochsenaugenfenster des Stalls auf den Hof, der durch die Fahrzeuge der Handwerker recht klein wirkt. Fotos: Laubach (4)Ein Blick aus einem der Ochsenaugenfenster des Stalls auf den Hof, der durch die Fahrzeuge der Handwerker recht klein wirkt. Fotos: Laubach (4)

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