Hinweis: Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei.
Im Juni ist Lindenholzhausen dank der „Harmonie“ der kleinste Festspielort Deutschlands
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Er könne sich noch gut an sein erstes Festival erinnern, sagt Karl-Heinz Dernbach. An das flaue Gefühl – und an den sensationellen Erfolg. Ein bisschen aufgeregt ist er wieder, aber er weiß auch, das es wieder gut werden wird – musikalisch und menschlich. «Ich freue mich, und ich bin stolz, dass wir die Organisatoren sind», sagt Karl-Heinz Dernbach. Der Erste Vorsitzende der «Harmonie» und sein Team sind eigentlich schon seit 2005 mit der Organisation des 6. Harmonie-Festivals beschäftigt. Viele Chöre hätten schon beim letzten Harmonie-Festival gefragt, ob sie beim nächsten Mal wieder dabei sein könnten. Die Ausschreibung ist seit Herbst 2009 fertig, seitdem wissen die Chöre, was sie singen sollen, wenn sie am Wettbewerb teilnehmen möchten.
«So ein Festival ist viel Arbeit», sagt Karl-Heinz Dernbach. Rund 80 Harmonie-Mitglieder haben in fünf Ausschüssen ungezählte Stunden damit verbracht, alles vorzubereiten – von der Programmplanung bis zur Unterbringung und Bewirtschaftung der Chöre. An den fünf Festivaltagen sind dann rund 1400 Helfer in Einsatz. Schließlich müssen 198 Chöre und Tanzgruppen versorgt werden – und rund 20 000 Musikfans noch dazu.
Rund 100 Stunden Musik gibt es von Donnerstag, 2. Juni, bis Montag, 6. Juni, in Lindenholzhausen zu hören – das Sängerdorf wird wieder zum kleinsten Festivalort der Welt. Aber um die schiere Größe geht es gar nicht: Es geht um das «sensationelle Miteinander», sagt Karl-Heinz Dernbach. Es geht um das Treffen von Gleichgesinnten, die alle «sehr offen, fröhlich und kommunikativ» sind. «Da gibt es Erlebnisse, da geht einem das Herz auf», sagt Karl-Heinz Dernbach. «Erlebnisse, die einen prägen.»
Zum Beispiel das Miteinander der Kulturen beim Festival. «Da steht dann schon mal eine Gruppe aus der Türkei neben einer aus Armenien auf der Bühne», sagt Andreas Bäcker vom «Ausschuss für Programm, Chor- und Folklorewettbewerbe». «Es ist einfach toll, viele Probleme sind beim Festival einfach ausgeblendet.»
Und es entstehen jede Menge Freundschaften: «Für kleinere Chöre ist das Festival eine gute Chance, Kontakte ins Ausland zu knüpfen.» Viele Chöre nehmen schon seit Jahren immer wieder denselben Gastchor auf – und oftmals springen dann auch noch Konzerte heraus. «Einige Chöre verknüpfen die Reise zum Harmonie-Festival inzwischen mit anderen Auftritten in der Region.» Schließlich muss auch die Reise bezahlt werden. Und allein der Übersee-Flug eines ganzen Chores kostet jede Menge Geld. Das können sich viele Chöre nur leisten, wenn dann die Unterkunft nicht mehr viel kostet. Die Jugendherbergen und Gasthäuser in der Region seien schon lange ausgebucht, sagt Andreas Bäcker. Viele Chöre werden aber wieder in Familien untergebracht. Am meisten freue ihn, dass der Chor TonArt Netzbach und der MGV Hahnstätten zwei Ensembles aufnehmen – einen philippinischen Kammerchor und eine Folkloregruppe aus Indien.
«Die Familienunterbringungen sind ein sensationeller kulturstiftender Nebeneffekt», sagt Karl-Heinz Dernbach. Die Harmonie zum Beispiel hat die Franciscan Choir and Dance Group aus Kampala in Uganda untergebracht – in der Pension «Etna», die zurzeit geschlossen ist.
6500 Musiker
Das «Gastgeber-Management» sei ein ganz wichtiger Aspekt bei der Vorbereitung des Harmonie-Festivals, sagt Andreas Bäcker. Und es macht viel Arbeit – bis zum Schluss. Schließlich muss nicht nur geregelt werden, wie und wo rund 6500 Musiker untergebracht werden. Viele Gäste müssen vom Flughafen oder Bahnhof abgeholt werden, und außerdem müssen die Gäste ja auch noch etwas zu essen und zu trinken haben. «Jeder Chor hat spezielle Probleme», sagt Andreas Bäcker. Und manchmal müssen Chöre ein paar Wochen vorher absagen, weil ihnen der Sponsor abhanden gekommen ist, oder es kommt auch nach Anmeldeschluss noch einer dazu. «Wir haben noch nie einem Chor abgesagt», sagt Karl-Heinz Dernbach. sbr
Einige Musiker brauchen noch eine Unterkunft. Wer Platz hat, gleich einen ganzen Chor unterzubringen, kann sich bei Karl-Heinz Dernbach unter Telefon: (0 64 31) 7 32 68 melden.
Artikel vom 29. März 2011, 19.20 Uhr (letzte Änderung 30. März 2011, 12.20 Uhr)