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Vorwort | Gemeindezentrum | Pfarrkirche | Pfarrzentrum | Pfarrhaus | Gemeinschaftshaus | Bilder

Vorwort

Diese Rubrik soll einem Interessierten die Geschichte des Lindenholzhäuser Gemeindezentrums erläutern.

Es ist sicherlich nicht selbstverständlich, dass bei der Planung und Ausführung die unterschiedlichsten Institutionen zusammengearbeitet haben. Hierduch ist ein Gemeindezentrum entstanden, dass weit und breit seines gleichen sucht. Es hat sicherlich den Charakter des Dorfes und das Verhalten der Bevölkerung - auch in Bezug auf das rege Vereinsleben und die großen Lindenholzhäuser Feste - mitgeprägt.

Die nachfolgenden Texte wurden größtenteils aus dem entsprechenden Artikel von Josef J. G. Jung im Buch "Lindenholzhausen", Herausgeber: Verschönerungsverein Lindenholzhausen, entnommen. Wo es nötig erschien, wurden aufgrund des schon älteren Textes Aktualisierungen durchgeführt.

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Entstehung des Gemeindezentrums

Den gesellschaftlichen und kulturellen Mittelpunkt des heutigen Limburger Stadtteils Lindenholzhausen bildet die an einem gemeinsamen Standort vorhandene Baugruppe, bestehend aus der katholischen Pfarrkirche St. Jakobus mit dem Pfarrzentrum und dem Pfarrhaus, dem Gemeinschaftshaus und der Lindenschule. Diese Anlage befindet sich an der Straße "Am Wingert" am südöstlichen Ortsrand. etwa 200 m Luftlinie von der geographischen Mitte des Dorfes entfernt. Die dichte Bebauung des alten Ortskerns ließ es nicht zu, dort ein solches Gemeindezentrum einzurichten. Dagegen konnte in dem freien Garten- und Feldbereich in der Flur "Auf der Pulvermühle" im "Kleinfeld" großzügig geplant und gebaut werden. Die einzelnen Gebäude haben genügend Abstand voneinander. Das kirchliche Gemeindezentrum und das Gemeinschaftshaus bilden wohl eine bauliche Einheit, werden aber vom Atrium-Kirchplatz getrennt. Dagegen befindet sich die Lindenschule mit der Turnhalle und dem Kleinsportplatz auf der anderen Straßenseite. Im äußerlich gleichen Stil, wie Kirche und Gemeinschaftshaus wurde das im Jahr 1998 in Betrieb genommene Vereinsheim der Cäcilia-Chöre auf einer freien Wiese neben dem Gemeinschaftshaus Richtung B 8 erbaut. Zum Gemeindezentrum gehört ein ca. 50 x 100 m großer Festplatz. Er erstreckt sich vom Vereinheim Richtung B 8. Der nahegelegene Schulsportplatz bietet zusätzliche Fläche für Feste. Das ganze Zentrum erreicht so sein Optimum, insbesondere auch für die großen Festveranstaltungen in Lindenholzhausen.

Die damals noch selbständige Gemeinde Lindenholzhausen stellte bereits 1966 erste Überlegungen zur Schaffung eines Gemeinschaftshauses an, zumal die früheren Saalbauten Friedrich und Jung-Arthen (Sportklause, heute Lindenhof) nicht mehr für kulturelle und gesellschaftliche Zwecke zur Verfügung standen. So fasste die Gemeindevertretung 1970 einen Beschluss über den Standort und das Raumordnungsprogramm für ein Gemeinschaftshaus.

Aber auch seitens der katholischen Kirchengemeinde kam Bewegung auf. Die seit 14.10.1969 favorisierten Pläne zur Renovierung der alten Pfarrkirche ließ man wegen der unverantwortbaren hohen Kosten und der zu erwartenden unbefriedigenden liturgischen Lösung wieder fallen, zumal auch für die Errichtung des erforderlichen Pfarrzentrums kein Grundstück zur Verfügung stand. Nachdem bereits am 02.06.1971 der Bau einer neuen Kirche erwogen und schließlich am 02.07.1971 vom Pfarrgemeinderat und dem Kirchenvorstand beschlossen worden war, stellte die Kirchengemeinde am 01.08.1971 den Antrag auf Genehmigung zur Errichtung einer neuen Kirche mit einem Pfarrzentrum und Pfarrhaus. Am 26.08.1971 erfolgte eine Aussprache zwischen den kirchlichen und kommunalen Gremien der Gemeinde, um die Möglichkeit einer gemeinsamen Gestaltung des Gemeindezentrums zu erörtern. Hierbei stellte sich heraus, dass die Beteiligten einem solchen Vorhaben grundsätzlich positiv gegenüberstanden und weitere Schritte der Planungsvorbereitung gemeinsam unternehmen wollten.

Inzwischen hatte Lindenholzhausen seine politische Selbständigkeit aufgegeben und war am 01.01.1972 Stadtteil von Limburg an der Lahn geworden. In dem Grenzänderungs- und Auseinandersetzungsvertrag zwischen der Stadt Limburg und der Gemeinde Lindenholzhausen verpflichtete sich die Stadt zum Neubau eines Bürgerhauses und, sofern hierfür die Zuschüsse vom Lande Hessen und dem Kreise Limburg ausbleiben würden, zum Bau eines Saales mit den notwendigsten Nebenräumen, der dem örtlichen Bedarf Rechnung tragen sollte.

Nicht zuletzt aufgrund des am 04.08.1972 von Prof. Krahn aus Frankfurt/M. erstellten Gutachtens, wonach der Umbau der alten Kirche keine Lösung des Problems darstellte, genehmigte die Verwaltungskammer des Bistums Limburg das kirchliche Bauprojekt am 29.08.1972. Seitens der Kirchengemeinde und der Stadt Limburg einigte man sich im Herbst 1972 auf den jetzigen Standort, so dass im Januar 1973 die Verhandlungen zum Grundstückskauf beginnen konnten. Diese gestalteten sich mit den zahlreichen Gartenbesitzern zum Teil recht schwierig, kamen jedoch im Sommer 1974 erfolgreich zum Abschluss. Das bebaute Grundstück hat eine Fläche von 9.500 qm, davon entfallen 5.300 qm auf den kirchlichen Bereich.

Die Stadtverordnetenversammlung beschloss 1973 die Planung eines Gemeinschaftshauses. Es ergaben sich langwierige Verhandlungen über das endgültige Raumordnungsprogramm sowie die zu erwartenden Baukosten. Zu klären waren auch Raumfragen im Hinblick auf die Bestimmung der Funktion, Nutzung sowie der Folgekosten.

Die Verwaltungskammer des Bistums stimmte dem ermittelten Raumprogramm für den kirchlichen Teil des Zentrums im wesentlichen zu. Um den Ablauf der weiteren Planung nicht weiter zu verzögern, befürworteten Pfarrgemeinderat und Verwaltungsrat nach zahlreichen Sitzungen und Gesprächen die zweite Fassung der Ausschreibung in der Hoffnung einer möglichen Feinabstimmung bei der Bauausführung.

Nachdem der Magistrat der Stadt Limburg im Jahre 1974 einen gemeinsamen engeren Wettbewerb mit der Kirchengemeinde beschlossen hatte, kam es im Sommer 1975 zur Ausschreibung eines Architektenwettbewerbs, zu dem sieben Architektenbüros Entwürfe einreichten. Namhafte Fachleute hatten die schwierige Aufgabe, das beste Werk unter den Spitzenarbeiten zu ermitteln. Den ersten Preis erhielt der schweizer Professor und Diplomarchitekt Dr. Justus Dahinden aus Zürich. Diesem übertrugen sodann sowohl die Kirchengemeinde als auch die Stadt Limburg die Fortführung der weiteren Planung.

Obwohl vorgegeben war, die Übernahme des barocken Hochaltars aus der alten Kirche vorzusehen, ging der Architekt zunächst nicht darauf ein. Er musste daher seinen erstellten Planungsentwurf entsprechend überarbeiten, was zu einer weiteren Verzögerung führte. Danach traten die Planungsarbeiten in der 2. Hälfte des Jahres 1976 in ihre wichtigste Phase ein. Nun ging es zügig voran. Bereits am 12.09.1976, am Kirchweihfest nach dem Hochamt, erfolgte der symbolische erste Spatenstich durch Pfarrer Willi Siegmund und Bürgermeister Joseph Kohlmaier. Pfarrer Siegmund bezeichnete dieses Ereignis als sichtbares Zeichen für einen lang gehegten Wunsch, der nun in Erfüllung gehe. Der Bürgermeister führte unter anderem aus: "Wir wären uns sicher nicht einig geworden, wenn wir uns nicht von vornherein über die Konsequenzen im Klaren gewesen wären. Dennoch versichere ich hier und heute für den Partner Stadt nochmals ausdrücklich den Willen zur guten loyalen, kompromissbereiten Zusammenarbeit.

Am 31.01.1977 erfolgte die Verabschiedung des endgültigen Finanzierungsplans zwischen der Kirchengemeinde und dem Bischöflichen Ordinariat. Nach diesem war für das kirchliche Projekt ein Gesamtvolumen von 3,3 Millionen DM vorgesehen, eine Summe, die vor allem durch die qualifizierte Beteiligung von Verwaltungsrat sowie des Bauausschusses unter seinem Vorsitzenden Josef Fachinger an allen Entscheidungen zur Bauausführung bis zur Fertigstellung in dieser Höhe eingehalten werden konnte. Dies war hinsichtlich des Gemeinschaftshauses nicht der Fall. Hier kam es zu ständigen Kostensteigerungen, die zum Teil auch aufgrund von Änderungen im Raumprogramm ihre Ursache hatten. Die Gesamtherstellungskosten betrugen 3,16 Millionen DM. Nach der erfolgten Baufreigabe begannen im Frühjahr 1977 die Erd- und Rohbauarbeiten. Diese waren bereits bis zum Jahresende weitgehend abgeschlossen. Am 11.09.1977, dem Kirmessonntag, fand die Grundsteinlegung für die Kirche und das Pfarrzentrum statt. Der mit der örtlichen Bauleitung beauftragte Architekt Erich Kramm mauerte die Metallhülse mit der von Pfarrer Siegmund und dem Vorsitzenden des Pfarrgemeinderats Alois Wagner unterschriebenen Urkunde, einer Namensliste der Mitglieder von Verwaltungs- und Pfarrgemeinderat sowie der Zeitung vom Vortag in eine Mauer des Kirchenneubaus ein. Das traditionelle Hammerklopfen nahm Pfarrer Siegmund vor. Etwa 2 Monate später, am 18.11.1977, konnte bereits das Richtfest gefeiert werden. Nachdem der Baukran die mächtige Richtkrone hochgehieft hatte und nach dem traditionellen Richtspruch des Zimmermanns trafen sich die Männer vom Bau mit den Vertretern der Pfarrgemeinde, des Bischöflichen Ordinariats und der Stadt Limburg in der Sportklause (heute Lindenhof) zum Richtschmaus.

Die vielfältigen Innenarbeiten kamen insbesondere 1978 zur Ausführung.

Am 03.07.1977 konnte im ehemaligen Schwesternhaus (Kirchfelder Straße 3) das Modell des Kirchenneubaus besichtigt werden und am 04.02.1977 erfolgte eine öffentliche Präsentation der Modelle des kirchlichen und weltlichen Gemeindezentrums. In einem Vorwort der Informationsschrift wies Bürgermeister Kohlmaier darauf hin, dass ein langgehegter Wunsch nunmehr in Erfüllung gehe und der Bürgerschaft endlich auch das Gemeinschaftshaus vorgestellt werden könne.

Am 21.07.1978 war das Richtfest für das Gemeinschaftshaus. Bürgermeister Kohlmaier bedankte sich bei allen am Bau beteiligten Firmen und Mitarbeitern und sprach die Hoffnung aus, dass das Gebäude im nächsten Frühjahr eröffnet werden könne. Der mit der Bauleitung beauftragte Architekt Erich Kramm gab noch einige Zahlen bekannt. So waren 4.000 Kubikmeter Erde bewegt und 100 Kubikmeter Beton verarbeitet worden. Es entstanden 350 Kubikmeter Mauerwerk. Ferner waren 100 Tonnen Baustahl und 75 Tonnen Profilstäbe erforderlich. Kurios wirkt die Tatsache, dass die offizielle Grundsteinlegung für das Gemeinschaftshaus erst nach dem Richtfest erfolgte und zwar im Oktober 1978. Diese Handlung vollzog Bürgermeister Kohlmaier im Rahmen einer kleinen Feierstunde. In Anwesenheit des Magistrats und des Ortsbeirats wurde in eine Mauernische eine Metallhülse eingemauert, in die eine entsprechende Urkunde, gültige Geldstücke und Tageszeitungen eingeschlossen waren. Die Urkunde unterzeichnet vom Bürgermeister und den Stadträten erinnert an die Geschichte des Bauwerks.

Die Einweihung des Gemeinschaftshauses fand am 19.01.1979 mit einer beeindruckenden Feier statt. Eine große Zahl von Ehrengästen hatte sich eingefunden und der Katholische Kirchenchor "St. Jakobus", geleitet von Michael Trost, gestaltete das Rahmenprogramm, an dem noch die Tanzgruppe der Lindenschule unter Annegret Jung mitwirkte. Der Architekt Prof. Dr. Justus Dahinden überreichte Bürgermeister Kohlmaier einen sogenannten "expansiven Schlüssel" wegen der ständig gewachsenen Baukosten. Dahinden führte aus, dass in Lindenholzhausen etwas Einzigartiges Wirklichkeit werden konnte: "Ein Zentrum, bei dem man hautnah und beisammen wohne. Freizeit verbringe, spiele, esse und trinke sowie Liturgie feiere und erst noch in die Schule gehe". Der Bürgermeister übergab das Gemeinschaftshaus an die Bürger von Lindenholzhausen, an denen es nun liege, von dieser Einrichtung Besitz zu ergreifen, in ihr heimisch zu werden und sie mit Leben zu erfüllen. Pfarrer Siegmund und der evangelische Pfarrer Puschke baten um Gottes Segen für das Haus. Ortsvorsteher Ehlert dankte namens der Bürgerschaft, dass die Stadt dem Drang, das Gemeinschaftshaus zu bauen, nachgegeben habe. Im Namen der Gäste gratulierte Landrat Georg Wuermeling und überreichte für den Neubau ein Wappen des Kreises.

Als "Nachbar" zeigte Pfarrer Siegmund kurz den gemeinsam gegangenen Weg auf und meinte, es sei ein guter Entschluss gewesen, gemeinsam zu handeln.

Für die Lindenholzhäuser Ortsvereine gratulierte Günther Schäfer, der 1. Vorsitzende des Männerchors "Cäcilia", und übergab als Geschenk der Vereine einen Geldbetrag für die Anschaffung einer Uhr. An den Festakt schloss sich ein bunter Unterhaltungs- und Tanzabend an, den die beiden Männerchöre "Cäcilia" und "Harmonie", Künstler von Funk und Fernsehen sowie das Show-Orchester "Silver Stars" bestritten.

Am Sonntag, dem 18.03.1979, zog die Pfarrgemeinde nach dem in der alten Kirche begonnenen Wortgottesdienst in einer Prozession, angeführt von Pfarrer Siegmund und den Ministranten mit Vortragskreuz und Fahnen, in die neue Kirche und feierte dort zusammen erstmals Eucharistie. Es war schon ein denkwürdiges Ereignis, als sich die Türen der alten Kirche schlossen und dafür die der Neuen öffneten. Zwei Wochen später, am 01.04.1979, erfolgte die feierliche Einweihung der neuen Jakobus-Kirche und des Pfarrzentrums durch den Limburger Diözesanbischof Dr. Wilhelm Kempf (1906 - 1982). Eine große Gemeinde hatte sich zum Festhochamt versammelt. Nach dem Einzug der Geistlichkeit (Bischof Kempf, Pfarrer Siegmund, Bezirksdekan Staudt, Domkapitular Dr. Meurer, Pfarrer Störk, Pallottinerpater Schiersch und Kaplan Fachinger) begrüßte Pfarrer Siegmund den Bischof und dankte ihm, dass er gekommen sei, um den Altar und die Kirche zu weihen. Dadurch solle aus dem Stein ein Altar und aus der Baustelle ein Gotteshaus werden. Bischof Kempf erläuterte sodann die Symbolsprache der Altarweihe. Er bezeichnete den Altar, um den sich die Gemeinde aufbaue, als ein Sinnbild für Christus. Deswegen müsse der Altar festgefügt sein. Bei der Weihe werde er mit heiligem Öl gesalbt, denn Christus heiße ja übersetzt "der Gesalbte". Höhepunkt der Altarweihe war das Entzünden des Feuers an fünf Stellen des Altars, während die Gemeinde um den Heiligen Geist betete. Der Bischof beglückwünschte die Pfarrgemeinde zu ihrem neuen Gotteshaus und sprach dem Architekten und dem Ortspfarrer hohe Anerkennung aus.

Günther Schäfer mauerte die Weiheurkunde des Bischofs mit den Reliquien und dem Dokument über die Altarweihe von 1737 in den neuen Zelebrationsaltar ein.

Den festlichen Gottesdienst gestaltete der Kirchenchor "St. Jakobus" mit. Er führte unter Leitung von Michael Trost die Messe in B-Dur. op. 141, von Franz Schubert auf An der Orgel saß Frank Sittel. Am Ende des Gottesdienstes dankte der Vorsitzende des Pfarrgemeinderats Alois Wagner allen, die in irgendeiner Weise am Kirchenneubau beteiligt waren sowie allen Anwesenden und Mitwirkenden bei diesem Gottesdienst.

Daran anschließend. beim Empfang im Saal des Pfarrzentrums, begrüßte der stellvertretende Vorsitzende des Verwaltungsrates Günther Schäfer die Gäste. Der Architekt Prof. Dahinden betonte, für ihn habe der Kirchenbau in Lindenholzhausen ein großes Engagement bedeutet. Er bedankte sich für das Vertrauen in seine Arbeit und wies auch darauf hin, dass die Kirche durch die Übernahme der barocken Altäre ein fröhlicher Raum geworden sei. Dabei sprach er die Hoffnung aus. dass etwas von der Festlichkeit der damaligen Epoche in unsere Zeit hineinstrahlen möge. Bürgermeister Kohlmaier überbrachte die Grüße und Glückwünsche aller Bürger und Institutionen der Stadt. Er verwies auf die gemeinsamen Ziele von Kirchen- und Zivilgemeinde, die hier in der Konzeption von Prof. Dahinden sichtbaren Ausdruck gewonnen habe. Das Gotteshaus sei ein bleibendes Wahrzeichen des Stadtteils Lindenholzhausen. Studiendirektor Josef Hilfrich, der 1. Vorsitzende des Männergesangvereins "Harmonie", übergab als Sprecher der Ortsvereine ein neues Messgewand an Pfarrer Siegmund. Bezirksdekan Staudt betonte in seiner Ansprache, wenn der Mensch aufhöre sakrale Räume zu bauen, dann höre er auch auf Gott zu verehren. Ortsvorsteher Ehlert sprach davon, dass die Kirchengemeinde ein Zeichen gesetzt habe und das in einer Zeit der Abkehr von der Kirche. Schließlich dankte Pfarrer Siegmund nochmals allen, die an der Planung und am Bau bis zum Tage der Einweihung mitgewirkt hatten.

Am Nachmittag dieses für Lindenholzhausen so bedeutenden Tages hatte die gesamte Gemeinde Gelegenheit, ihr neues Pfarrzentrum bei Kaffee und Kuchen in Besitz zu nehmen.


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Beschreibung und Funktion der Pfarrkirche St. Jakobus

Zur Gestaltung der neuen Kirche führte der Architekt Prof. Dahinden in der Festschrift zur Einweihung unter anderem aus: "Das neue Kirchenschiff überragt die umliegenden Häuser mit einer emporsteigenden Spitze (bekrönt von einem Kreuz), die nach außen hin das liturgische Zentrum markiert Wie ein großer Hügel wächst die Dachkonstruktion allseitig aus dem Boden heraus. Ich wollte mit dieser Architektur spontan sein; sie soll sich nirgends dogmatisch aufdrängen, sie soll andererseits erdhaft und lebensnah bleiben. Der Verzicht auf eine bauliche Symmetrie, die besonders beim historischen Kirchenbau vorkommt. ermöglicht die Entwicklung von Raumformen ohne abstrakte Ordnung und kategorischer Systembindung. Es soll damit verdeutlicht werden, dass dieser Scharungsraum einer Gesinnungsgemeinde entspricht die ungezwungen zusammenkommt, um das Wort zu hören, das Mahl zu feiern und die Privatandacht zu üben".

Im Inneren der Kirche tragen das Eichenkopfpflaster und die Holztäfelung in Eiche der Decken und Schrägen wesentlich zu einer warmen Atmosphäre bei. Die Wände der Kirche - wie auch die des Gemeindezentrums - sind sowohl innen als auch außen mit dem von Prof. Dahinden gewählten "Rollgerstenputz" versehen, eine Zementspritzung mit Körnungen bis zu 21 Millimeter. Dieser im Grauton gehaltene und wenig pflegebedürftige grobe Verputz, der sich außen auf dem Dach in Form einer Kiesschüttung fortsetzt (Hinweis: im Jahr 1999 wurde jedoch ein neues Dach aus Zinkblech ohne Schüttung aufgebracht), soll das Gefühl für erdhafte Verbundenheit v ermitteln. Symbolträchtig fällt das Tageslicht von oben durch das große dreieckige Glasdach ein. Am hellsten ist daher der unter ihm liegende erhöhte Bereich mit dem Zelebrationsaltar, dem eigentlichen Zentrum der Kirche. Weitere natürliche Lichtquellen sind im Dach über der Orgel sowie in der Wand bei der Marienfigur im Meditationsbereich vorhanden. Ansonsten sind die Wände fensterlos; sie sollen dem in sich geschlossenen Raum den Charakter verleihen, in ihm geschützt und geborgen zu sein. Bei Gottesdiensten an hellen Tagen ist in der Regel das natürliche Tageslicht ausreichend; ansonsten sorgt eine dezente Beleuchtungsanlage für gute Sichtverhältnisse. Eine mächtige Säule in der Mitte des Kirchenschiffs von guter optischer Wirkung und symbolischer Aussagekraft trägt die Dachkonstruktion. Die Stuhlreihen mit 550 bequemen Holzstühlen fügen sich harmonisch in das Innere der Kirche ein, die eine hervorragende Akustik besitzt. Einen Kontrast zu dem modernen Sakralbau bilden die aus der alten Kirche übernommenen wertvollen historischen Ausstattungsstücke, bestehend aus dem barocken Hochaltar (etwa 17. Jahrhundert) mit den beiden Seitenaltären, der Kanzel, dem romanischen Taufbecken, dem barocken Taufstein, dem neuromanischen Beichtstuhl und zweier Barockplastiken.

Für Prof. Dahinden führte diese Anpassung zwischen statischer Substanz und dynamischer Anpassung bei unserer Kirche zu einer Synthese zwischen alt und neu, Tradition und Fortschritt, Rückblick und Ausblick. Nach seiner Aussage werden die kunsthistorischen Werte in der Kirche zu einem Bindeglied zwischen den Zeiten, weil sie Kontinuität dokumentieren. Davon profitiert die moderne Architektur, weil sie dadurch besser verständlich und bleibend deutbar wird.

Im übrigen hat die Übernahme der vertrauten Kunstwerke wesentlich mit dazu beigetragen, dass der moderne Kirchenraum von der Pfarrgemeinde leichter angenommen werden konnte.

Die neue Kirche verfügt nicht über einen eigenen Glockenturm. Jedoch kann die Läutanlage mit den im Turm der alten Kirche verbliebenen 3 Glocken durch eine Fernsteuerung aus der Sakristei und aus dem Pfarrhaus bedient werden.

An den Schluss dieser Ausführungen seien zwei Aussagen aus der fachkundigen Öffentlichkeit gestellt:

So schreibt die Kunsthistorikerin Dr. Ingrid Krupp unter anderem: "Nach den Plänen von Prof. Justus Dahinden wurde 1977-79 eine moderne Kirche erbaut, die als "Dorfkirche" ihres gleichen sucht. Die äußere Gestalt erinnert an Pyramiden und Zeltbauten, das Innere an die Sakralräume Le Corbusieres. Ungewöhnlich erscheint die sich vermischende Funktion von Dächern und den Einblick verwehrenden, mit Kieselsteinen besetzte Betonmauer, überraschend die heimelige Weite des von den Seiten und spitzwinkligen Höhen angenehm beleuchteten Innenraums. Gelungen ist auch die Symbiose der nüchternen Beton- und Rauputzwände mit den aus der alten Jakobuskirche übernommenen Barockaltären und älteren Ausstattungsstücken zu nennen".

Nach Auffassung des amerikanischen Architekten Randel S. Lindstrom zählt die neue Pfarrkirche St. Jakobus in Lindenholzhausen zu den schönsten Beispielen der zeitgenössischen europäischen Kirchenarchitekten. In den Kirchenbau integriert sind die geräumige Sakristei im Bereich des Seiteneingangs sowie ein Beichtraum und ein Abstellraum. Unter der kleinen Lichtkuppel des Foyers vor dem Haupteingang befindet sich im Boden eingelassen der Grundstein mit der Gravur der griechischen Buchstaben Alpha und Omega (für Anfang und Ende) und die Jahreszahl 1977. In diesem Eingangsbereich, wie auch in dem des Seiteneingangs, sind übersichtliche Schriftenstände. [Hier] erhalten Sie Informationen zur Stiftung St. Jakobus Lindenholzhausen.


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Beschreibung und Funktion des Pfarrzentrums

Rechts des Haupteingangs zur Kirche führt eine Tür ins Foyer vor dem Pfarrsaal, der durch eine Schiebewand um diesen Raum, in dem sich noch eine Küche befindet, erweitert werden kann. Der Pfarrsaal erfüllt wichtige Funktionen für ein vielfältiges Gemeindeleben. Auch können hier private Familienfeiern begangen werden. Eine Tür in diesem Raum ermöglicht einen direkten Zugang in die Kirche. Das Untergeschoss des Bauwerks kann durch zwei Eingänge erreicht werden und ist durch eine Wendeltreppe mit dem Obergeschoss verbunden. In diesem Untergeschoss befinden sich die Gemeindebibliothek, 2 Gruppenräume, die durch eine Schiebewand zu einem Raum erweitert werden können, eine kleine Küche und der sehr geräumige Jugendraum. Ferner sind hier Abstell- und Lagerräume, die WC-Anlage und der Heizraum untergebracht.

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Beschreibung und Funktion des Pfarrhauses

In dem Pfarrhaus, das mit der Kirche und dem Gemeinschaftshaus eine einheitliche Baugruppe bildet, befinden sich außer den Wohnräumen das Sprechzimmer des Pfarrers, das Pfarrbüro sowie das Pfarrarchiv, dessen Bestände bis ins 17. Jahrhundert zurückgehen.

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Beschreibung und Funktion des Gemeinschaftshauses

Der große und der kleine Saal im Obergeschoss des Gemeinschaftshauses können durch eine Schiebe-Trennwand zu einem großen Raum vereint werden. In diesem stehen sodann bei Stuhlreihen rund 550 Sitzplätze zur Verfügung, bei Tischreihen sind es ungefähr 350. Die Schiebe-Trennwand zum ausgedehnten Foyer lässt eine zusätzliche Erweiterung um diesen Raum zu, in dem sich auch eine Garderobe und zwei Büffets für die Bewirtschaftung befinden.

Die vorhandene Bühne ist sehr geräumig und trägt so unter anderem auch den Chören des Ortes bei konzertanten Veranstaltungen Rechnung.

Das modern gestaltete Restaurant weist ungefähr 100 Sitzplätze auf. Zu ihm gehört eine grosse, gut ausgestattete Küche.

In seiner Funktion als kulturelles und gesellschaftliches Zentrum erfüllt das Gemeinschaftshaus vielfältige Aufgaben. Diese reichen von Konzerten, Fastnachts- und Vereinsveranstaltungen bis zu Familienfeiern, Tagungen und Ausstellungen.

Im Erdgeschoss vorhanden sind eine kleine Wohnung, die Verwaltungsstelle der Stadt Limburg und ein Versammlungsraum sowie der großzügig angelegte Trakt mit Toiletten und Künstlergarderoben, ferner Vorrats- und Kühlräume, die Heizung und die Kegelbahn mit zwei Scherenbahnen.


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Bilder vom Gemeindezentrum Lindenholzhausen


Gemeinschaftshaus Lindenholzhausen
(Quelle: Gaststätte Zumm Kruggelsche - zum Vergrößern auf das Bild klicken)

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