Hinweis: Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei.
Der neue Besitzer aus Frankfurt hat nicht nur die alte Mühle erworben, sondern auch Interesse an städtischen Flächen angemeldet. Es geht um rund 23 000 Quadratmeter, die rund um die Mühle liegen. Die Stadtverordnetenversammlung hat dem Verkauf zugestimmt, dient es doch der Abrundung des Anwesens. Zudem gibt es für die Grundstücke klare Vorgaben (Ausgleichsflächen, Uferrandstreifen, Biotop) und Nutzungen (Wald).
Wie es in der Vorlage an die Stadtverordneten heißt, will der neue Besitzer das Mühlenanwesen grundlegend sanieren. Danach soll es teilweise zum Wohnen genutzt werden. Ein Teil des Komplexes ist für eine gewerbliche Nutzung vorgesehen. Der neue Besitzer ist Inhaber eines Ingenieurbüros. Wie es in der Vorlage der Verwaltung weiter heißt, ist mittelfristig auch an eine Wiedereröffnung der Gastronomie gedacht.
Der neue Eigentümer will in die Mühle auch ein Wasserkraftwerk einbauen und mit Hilfe einer Turbine Strom erzeugen. Die Mühle wurde in der Vergangenheit über einen Graben mit Wasser aus dem Emsbach versorgt, der unweit des Anwesens vorbei fließt. Allerdings ist der Mühlengraben zugewachsen und muss erst wieder aktiviert werden. Weiter abwärts des Emsbaches gibt es in der Nähe von Ennerich bereits ein Wasserkraftwerk.
Sämtliche Grundstücke, die die Stadt verkaufen wird, sind nicht nutzbar und durch naturschutzrechtliche Vorgaben in ihrer Nutzung vorgeschrieben. Nach Einschätzung des Magistrats führt der Verkauf der Grundstücke zu einer Entlastung der Stadtverwaltung, da der mit den Grundstücken verbundene Pflegeaufwand künftig von dem neuen Besitzer aufzubringen ist.
Nach der Denkmaltopografie der Stadt ist nicht nur das weit verzweigte Gebäude ein Kulturdenkmal, sondern auch die betriebstechnische Einrichtung aus unterschiedlicher Zeit. Die Ausstattung ist weitgehend erhalten. Das ist eine absolute Seltenheit, denn nach der Aufgabe des Mahlens wurde die Technik oft ausgeräumt. Eine Ausnahme davon in der Region ist zum Beispiel die Hofener Mühle im Kerkerbachtal.
Die Mühle war in der vergangenen Jahren im Besitz einer Familie aus Brechen, die auch mit Arbeiten an dem Objekt begonnen hatte, jedoch nicht zu Ende führte. Und was gemacht worden war, zum Beispiel an Elektroinstallation und Innenverkleidung, wurde dann zerstört und rausgerissen.
Der heute noch bestehende Hauptbau der Mühle wurde 1728 errichtet, die Mühlengeschichte an diesem Platz geht jedoch bis in das 14. Jahrhundert zurück. Die erste urkundliche Erwähnung einer Mühle datiert aus dem Jahr 1326. Bauherr im Jahr 1728 war die Gemeinde. Errichtet wurden neben dem Wohnhaus auch das Betriebsgebäude sowie der Stall. Auf einer Ornamenttafel mit der Abbildung einer Linde mit Palmwedeln befindet sich die Jahreszahl des Baubeginns. Im Laufe der Zeit wurde die Gebäude mehrfach verändert, vor allem in den 1880 Jahren.
Das Wohn- und Betriebsgebäude besteht aus einem Bruchsteinmauerwerk mit Fachwerkobergeschoss und Krüppelwalmdach. Ein kleinerer Wohntrakt ist dem Gebäude angefügt. Der Stall besteht aus einem unveränderten Bruchsteinbau des 18. Jahrhunderts mit Fachwerkobergeschoss. Die Stallungen weisen zwei Ochsenaugenfenster aus Werksteinen auf. Die Scheune ist ein mehrfach erweiterter und veränderter Bruchsteinbau an der Ostseite des Hofes. jl
Wasserkraftwerk: Emsbach in Gefahr
Die Interessengemeinschaft Lahn hat sich in einer Stellungnahme gegenüber der Oberen Wasserbehörde beim Regierungspräsidium in Gießen kritisch zu einer Reaktivierung der Wasserkraftanlage in der Lindenmühle geäußert. Die IG mit ihrem Vorsitzenden Winfried Klein aus Runkel hat den Antrag gestellt, das Wasserrecht sofort zu löschen. Nach Einschätzung von Klein kann das Wasserrecht gelöscht werden, wenn es drei Jahre nicht genutzt wird. Die Lindenmühle habe es 30 Jahre nicht genutzt.
Nach Einschätzung von Klein führt das Betreiben der Wasserkraftanlage und die damit verbundene Wasserentnahme aus dem Emsbach zu ganz erheblichen Verschlechterungen in der biologischen Lebenswelt des Emsbaches. Auf einer Strecke von zwei Kilometern werden dem Bach so viel Wasser entzogen, dass er nur noch mit 200 Litern pro Sekunde durchflossen werde. Das sei für die Lebenswelt eine Katastrophe.
Klein beruft sich dabei auch auf eine Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union und ein «Verschlechterungsverbot» für die Gewässer. Auch weist die Organisation auf die Schädigung von Fischen und weiteren Wassertieren durch die Turbinenanlagen hin. Alle Wasserkraftanlagen würden massiv zum Aussterben der Aale beitragen. Und ein Wiederansiedlungsprogramm von Lachsen, was auch im Emsbach vorgesehen sei, wäre ebenfalls sinnlos. Der durch die Kleinwasserkraftanlagen gewonnene Strom sei verschwindend gering und keineswegs mit dem Klimaschutz zu begründen. jl
Baustelle Lindenmühle: Ein Ingenieur hat das Anwesen am Emsbach gekauft und will es nun sanieren. Foto: Laubach[Hier] finden Sie einen Bericht auf www.lindenholzhausen.de vo2007 mit dem Titel: Rettet die Lindenmühle
Mehr zur Lindenmühle, deren Geschichte, Presseartikel und Bilder finden Sie [hier].
