Hinweis: Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei.
Wenn Werner Jung-Diefenbach Geld brauchte, griff er in die Kirchenkasse / Prozessauftakt in Limburg
Von Joachim Heidersdorf
Werner Jung-Diefenbach sammelt zunächst Pluspunkte. Er gesteht und bedauert seine Unterschlagungen, der Angeklagte entschuldigt sich bei den vielen Menschen, die er maßlos enttäuscht hat und bittet sie um Vergebung. Der Lindenholzhäuser erzählt von seiner schweren Kindheit, wie es viele Straftäter tun. Und er berichtet, dass er sich noch heute die Schuld am Tod seines geliebten Vaters (1977) gibt, der bei Bauarbeiten an seinem Eigenheim im Auweg durch das Dach gefallen war. Gerade deshalb habe er dieses Haus unbedingt halten wollen und 1984 aufgrund finanzieller Schwierigkeiten erstmals in die Kirchenkasse gegriffen. «Das war bei der Abrechnung des 50. Geburtstag unseres Pfarrers», sagt Jung-Diefenbach.
Eindringlich beteuert der 55-Jährige, dass er die eigene Pfarrei in Lindenholzhausen in 33-jähriger Tätigkeit um keinen Cent geschädigt hat. Soweit mögen ihm viele Zuhörer noch verständnisvoll folgen, doch dann trägt der Angeklagte für ihr Empfinden zu dick auf. Jung-Diefenbach sagt, er habe immer nur Anderen helfen wollen – vor allem seiner Familie, dem Gesangverein Cäcilia, seiner Pfarrei, vielen Mitbürgern und schließlich auch seiner Geliebten. Diese Tugend sei ihm schließlich zum Verhängnis und er dadurch zum Betrüger geworden.

Überraschendes Sexleben
Die Stimmung im Publikum wendet sich schlagartig, als die teuren Urlaube der Familie, die hohen Zahlungen an die Töchter und das Sexleben des Angeklagten zur Sprache kommen. Zu Hause gab er den treusorgenden Familienvater, im Rentamt hatte er vorübergehend sogar zwei Geliebte gleichzeitig. Der Leiterin der Buchhaltung gegenüber zeigte sich der Rentamtschef besonders großzügig; zuletzt gab er ihr im vergangenen Sommer 10 000 Euro für die Renovierung eines Daches.
Kein Problem für Werner Jung-Diefenbach. Er holte sich halt immer dann Bares auf der Kreissparkasse, wenn er etwas brauchte. Am 1. August 2006 sogar zwei Mal an einem Tag jeweils 7500 Euro; manchmal zwei oder drei Tage hintereinander diese Summe, und wenn es nicht pressierte, kam er auch mal zwei Wochen ohne Nachschub aus. Zwischen dem 11.10.2004 und dem 28. September hob er vom Konto des Gesamtverbandes der katholischen Kirchengemeinden Limburgs 360 Mal jeweils 7500 Euro und zwei Mal 5000 Euro ab: insgesamt 2,71 Millionen Euro.
Bistums-Justitiar Professor Gernot Sydow beziffert als Zeuge die bereits verjährten Unterschlagungen von 1999 bis 2004 auf rund 2,3 Millionen Euro. Der Kirchengemeinde St. Jakobus Lindenholzhausen sei ein Verlust von knapp 60 000 Euro entstanden, zitiert Sydow aus dem Prüfbericht «Das war das Geld von seinen Freunden und Nachbarn, mit denen er jeden Sonntag zur Messe gegangen ist», sagt der Justitiar – vom Angeklagten heftig widersprochen. Dieser Vorwurf wiege für ihn «unsagbar schwer», sagt Jung-Diefenbach. Aber der katholischen Kirche konnte er es offensichtlich ohne große Gewissensbisse nehmen.
Neben dem Hinweis auf seine angeblich weiße Weste in der eigenen Pfarrei liegen dem Angeklagten drei Botschaften besonders am Herzen:
Urlaube für 400 000 Euro
Dies will der Vorsitzende Richter Josef Bill nicht glauben. Als Rentamtsleiter verdiente Jung-Diefenbach rund 3100 Euro netto, knapp 1400 Euro nahm er an Mieten ein. In der gleichen Größenordnung standen fixe Ausgaben gegenüber. «Da hätte Ihre Frau doch mal nachfragen müssen», hält Bill dem Angeklagten vor. «Das hat sie nie getan», sagt Jung-Diefenbach. Seine Frau habe auch die Steuererklärung «blind» unterschrieben und nicht gewusst, was die Urlaube kosteten. Das kann sie nun auf einer Liste nachlesen, die Verteidiger Detlef Rörig gestern dem Gericht präsentierte.
Die Reisen, oft mit Töchtern und Schwiegersöhnen, haben seit 2004 knapp 400 000 Euro verschlungen; allein im vergangenen Jahr gab Jung-Diefenbach dafür 93 000 Euro aus. «Das verdient nicht jeder im Saal», sagt Bill sarkastisch, der die hohe Summe ebenso wie Oberstaatsanwalt Hans-Joachim Herrchen offen «etwas neidisch» kommentiert. «Purer Luxus», sagt Bill. «Da haben sie recht, Herr Vorsitzender», antwortet der Angeklagte. «Aber das war die einzige Gelegenheit, um mit meiner Familie eine schöne Zeit zu verbringen.» Ansonsten habe er an sechs Tagen in der Woche 12 bis 14 Stunden täglich geschuftet, abends für seine Ehrenämter, und häufig auch sonntags.
[Hier] finden Sie den Original Artikel auf der NNP Seite mit Kommentaren unter dem Artikel.
[Hier] im Webauftritt von Lindenholzhausen.de finden Sie unseren Artikel "Untreue-Prozess: Berichte & Ergebnisse" mit der Historie und entsprechenden Links.
Die Stimmung im Publikum wendet sich schlagartig, als die teuren Urlaube der Familie, die hohen Zahlungen an die Töchter und das Sexleben des Angeklagten zur Sprache kommen. Zu Hause gab er den treusorgenden Familienvater, im Rentamt hatte er vorübergehend sogar zwei Geliebte gleichzeitig. Der Leiterin der Buchhaltung gegenüber zeigte sich der Rentamtschef besonders großzügig; zuletzt gab er ihr im vergangenen Sommer 10 000 Euro für die Renovierung eines Daches.
Kein Problem für Werner Jung-Diefenbach. Er holte sich halt immer dann Bares auf der Kreissparkasse, wenn er etwas brauchte. Am 1. August 2006 sogar zwei Mal an einem Tag jeweils 7500 Euro; manchmal zwei oder drei Tage hintereinander diese Summe, und wenn es nicht pressierte, kam er auch mal zwei Wochen ohne Nachschub aus. Zwischen dem 11.10.2004 und dem 28. September hob er vom Konto des Gesamtverbandes der katholischen Kirchengemeinden Limburgs 360 Mal jeweils 7500 Euro und zwei Mal 5000 Euro ab: insgesamt 2,71 Millionen Euro.
Bistums-Justitiar Professor Gernot Sydow beziffert als Zeuge die bereits verjährten Unterschlagungen von 1999 bis 2004 auf rund 2,3 Millionen Euro. Der Kirchengemeinde St. Jakobus Lindenholzhausen sei ein Verlust von knapp 60 000 Euro entstanden, zitiert Sydow aus dem Prüfbericht «Das war das Geld von seinen Freunden und Nachbarn, mit denen er jeden Sonntag zur Messe gegangen ist», sagt der Justitiar – vom Angeklagten heftig widersprochen. Dieser Vorwurf wiege für ihn «unsagbar schwer», sagt Jung-Diefenbach. Aber der katholischen Kirche konnte er es offensichtlich ohne große Gewissensbisse nehmen.
Neben dem Hinweis auf seine angeblich weiße Weste in der eigenen Pfarrei liegen dem Angeklagten drei Botschaften besonders am Herzen:
- Das Geld ist restlos verbraucht. («Ich habe nie Rücklagen gebildet»).
- Das Bistum hat ihm den Millionen-Schwindel aufgrund fehlender Kontrollen erleichtert.
- Seine Familie hat von der wundersamen Geldvermehrung im Hause bis zuletzt nichts gewusst.
Urlaube für 400 000 Euro
Dies will der Vorsitzende Richter Josef Bill nicht glauben. Als Rentamtsleiter verdiente Jung-Diefenbach rund 3100 Euro netto, knapp 1400 Euro nahm er an Mieten ein. In der gleichen Größenordnung standen fixe Ausgaben gegenüber. «Da hätte Ihre Frau doch mal nachfragen müssen», hält Bill dem Angeklagten vor. «Das hat sie nie getan», sagt Jung-Diefenbach. Seine Frau habe auch die Steuererklärung «blind» unterschrieben und nicht gewusst, was die Urlaube kosteten. Das kann sie nun auf einer Liste nachlesen, die Verteidiger Detlef Rörig gestern dem Gericht präsentierte.
Die Reisen, oft mit Töchtern und Schwiegersöhnen, haben seit 2004 knapp 400 000 Euro verschlungen; allein im vergangenen Jahr gab Jung-Diefenbach dafür 93 000 Euro aus. «Das verdient nicht jeder im Saal», sagt Bill sarkastisch, der die hohe Summe ebenso wie Oberstaatsanwalt Hans-Joachim Herrchen offen «etwas neidisch» kommentiert. «Purer Luxus», sagt Bill. «Da haben sie recht, Herr Vorsitzender», antwortet der Angeklagte. «Aber das war die einzige Gelegenheit, um mit meiner Familie eine schöne Zeit zu verbringen.» Ansonsten habe er an sechs Tagen in der Woche 12 bis 14 Stunden täglich geschuftet, abends für seine Ehrenämter, und häufig auch sonntags.
[Hier] finden Sie den Original Artikel auf der NNP Seite mit Kommentaren unter dem Artikel.
[Hier] im Webauftritt von Lindenholzhausen.de finden Sie unseren Artikel "Untreue-Prozess: Berichte & Ergebnisse" mit der Historie und entsprechenden Links.
