hr-online Limburg. Der frühere Rentamtsleiter des Bistums Limburg ist am Freitag zu sechs Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Der 55-Jährige hatte Gelder im Wert von 2,7 Millionen Euro veruntreut ...
 
Der Mann hatte die Taten vor dem Landgericht Limburg gestanden. Insgesamt wurden ihm 362 Fälle seit 2004 zur Last gelegt. Frühere Taten sind verjährt. Das Bistum hat einen Gesamtschaden von 4,8 Millionen Euro seit 1983 errechnet. Die Staatsanwaltschaft hatte siebeneinhalb Jahre gefordert.

 
Der Anwalt des Angeklagten pochte auf Strafmilderung und forderte vier Jahre, weil der ehemalige Rentamtsleiter 3,8 Millionen Euro Wiedergutmachung an das Bistum zahlen wollte. Der 55-Jährige sagte, dass er sich ständig überfordert gefühlt und das Geld für Urlaubsreisen gebraucht habe.
 
Vier-Augen-Prinzip ausgehebelt


Thema in der HEssenschau des HR - (c) www.hr-online.de Der Angeklagte leitete das Rentamt in Hadamar bei Limburg, das etwa 170 Kirchengemeinden und kirchliche Einrichtungen bei Finanzen und Verwaltung unterstützt. Unter anderem war er zuständig für elf katholische Kitas in Limburg, die von Kirche und Stadt gemeinsam finanziert werden.

Möglich war der jahrelange Betrug unter anderem, weil das sonst in der Buchhaltung übliche Vier-Augen-Prinzip ausgehebelt war. Der Angeklagte pflegte über 25 Jahre ein Verhältnis mit der Chefbuchhalterin.

Bei seinen Veruntreuungen soll der Angeklagte immer nach dem gleichen Muster vorgegangen sein: Er hob Bargeld von einem Kirchenkonto ab, angeblich um Rechnungen der Stadt Limburg unter Vermeidung von Bankgebühren zu begleichen. Die Rechnungen waren aber fingiert, das Geld blieb in seiner Tasche. Der Millionenbetrug fiel erst auf, als das Rechnungswesen des Bistums auf die doppelte Buchführung umgestellt wurde.
 
Der Angeklagte nahm das Urteil des Landgerichts Limburg äußerlich ruhig entgegen. Auch während der Urteilsverkündung war der 55-Jährige gefasst, dabei wählte der Vorsitzende Richter deutliche Worte. Er hielt dem Verurteilten die lange Dauer und "erhebliche kriminelle Energie vor, mit der er skrupellos in die von den Gläubigen gespeiste Kasse seines Arbeitgebers griff". Der Angeklagte, dessen erste Handlung 25 Jahre zurückreiche, habe sich kontinuierlich gesteigert und "den Hals nicht voll bekommen". Außerdem warf der Richter dem Ex-Kirchenmitarbeiter "ein hohes Maß an Dekadenz und Anmaßung" vor. So habe er einen Teil des veruntreuten Geldes gespendet - unter anderem an den Hessischen Sängerbund -, um sein eigenes Ansehen zu steigern.

Das Strafmaß lag am Ende mit sechs Jahren und drei Monaten Haft denn auch deutlich über den vier Jahren, für die die Verteidigung plädiert hatte. Der Oberstaatsanwalt hatte siebeneinhalb Jahre gefordert. Zugute gehalten wurde dem Angeklagten, dass er die Taten gestanden hatte.
 
Frühere Fälle sind verjährt

Der Angeklagte leitete das Rentamt in Hadamar bei Limburg, das etwa 170 Kirchengemeinden und kirchliche Einrichtungen bei Finanzen und Verwaltung unterstützt. Unter anderem war er zuständig für elf katholische Kitas in Limburg, die von Kirche und Stadt gemeinsam finanziert werden.
Insgesamt wurden dem ehemaligen Rentamsleiter des Bistums Limburg 362 Fälle seit 2004 zur Last gelegt. Dabei soll er jeweils 7.500 Euro in bar von einem Kirchenkonto abgehoben haben, um seiner Familie und sich selbst ein luxuriöses Leben zu ermöglichen. Insgesamt rund 2,7 Millionen Euro kamen so zusammen.

Das Bistum geht allerdings davon aus, dass der ehemalige Mitarbeiter seit 1983 weit mehr Geld beiseite schaffte - nämlich insgesamt 4,8 Millionen Euro. Die früheren Fälle sind aber schon verjährt.
 
Vier-Augen-Prinzip ausgehebelt
Möglich war der jahrelange Betrug unter anderem, weil das sonst in der Buchhaltung übliche Vier-Augen-Prinzip ausgehebelt war: Der Angeklagte pflegte über 25 Jahre ein Verhältnis mit der Chefbuchhalterin.

Bei seinen Veruntreuungen soll der Angeklagte immer nach dem gleichen Muster vorgegangen sein: Er hob Bargeld von einem Kirchenkonto ab, angeblich um Rechnungen der Stadt Limburg unter Vermeidung von Bankgebühren zu begleichen. Die Rechnungen waren aber fingiert, das Geld blieb in seiner Tasche. Der Millionenbetrug fiel erst auf, als das Rechnungswesen des Bistums auf die doppelte Buchführung umgestellt wurde.
 
Wo ist das Geld?
 
Der Richter merkte bei der Urteilsverkündung kritisch an, dass der Verurteilte bisher nichts für eine Wiedergutmachung des Schadens getan habe. Ein Rätsel blieb in dem Prozess auch der Verbleib des veruntreuten Geldes. Das Gericht geht aber davon aus, dass schätzungsweise eine Million Euro noch an Immobilien übrig ist, die nun verkauft werden können. Der Veruteilte selbst erklärte, er werde nun wohl vom Existenzminimum leben müssen. 
 
Radiobericht
 
hr-Reporterin: "Immer größere Beträge" 3:19 Min (© hr, 12.03.2010)
 
Quelle: www.hr-online.de
 
 
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