Limburg-Lindenholzhausen. Der Einladung zum fünften Harmonie Festival 2005 waren mehr als 230 Chöre und Folkloregruppen mit 7 500 Teilnehmenden aus 46 Nationen und Kulturen gefolgt ...
Bild: Die jungen Gäste, hier die Kindertanzgruppe Flori de Maramures, brachten frischen Wind ins Harmonie-Festival. FOTO: M. Beuster
LINDENHOLZHAUSEN - Olympische Atmosphäre und großartiger Nachwuchs beim Harmonie Festival 2005 - Harmonie-Festival
von Klaus-Dieter Häring
Trotz der damaligen deutschen Visa-Affäre, die sich in 2004 zugespitzt hatte, und erheblicher Probleme bei der Erteilung einer Einreiseerlaubnis durch die deutschen Botschaften, hatte sich diese große Zahl an Teilnehmenden aus vier Kontinenten in Lindenholzhausen eingefunden. Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte die Schirmherrschaft übernommen und der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, schickte eine Friedensbotschaft, die von den "United Nations Singers", dem Chor der UNO-Mitarbeiter aus New York, musikalisch vorgetragen wurde.
Die "Harmonie" Lindenholzhausen eröffnete das Festival mit dem Chorwerk "Saltarelle" von Camille Saint-Saëns. Der in dem Werk enthaltenen Aufforderung "Kommt, singt und tanzt mit uns!", gleichzeitig Motto des fünften Festivals, waren auch Mitwirkende von mehr als 80 Chören und Folkloregruppen aus zwölf deutschen Bundesländern gefolgt. Sie feierten mit den internationalen Gästen aus vier Kontinenten ein großes Fest der Musik und des Tanzes.
Herausragend bei den internationalen Wettbewerben waren die Chöre der jungen Sängergeneration. 15 von 19 Chören in den Kategorien für Kinder- und Jugendchöre erhielten von der Jury die höchsten Prädikate "Hervorragend" und "Sehr gut" zugesprochen. Erste Preise errangen der Kinderchor "Radost" aus Prag (Tschechien), der "Kinder- und Jugendchor der Fernseh- und Rundfunkanstalt St. Petersburg" (Russland) und der "Stockholm Musikgymnasium Youth Choir" (Schweden).
Die musikalische und kulturelle Vielfalt des Festivals zeigte sich besonders eindrucksvoll in der Chorkategorie "Gemischte Chöre Volkslied". Die internationale Jury machte Chöre aus Costa Rica, Albanien und von den Philippinen zu Preisträgern. Und in der damals neuen Kategorie "Folklorechöre mit Instrumentalbegleitung" boten Chöre aus zwölf Ländern und von vier Erdteilen eine abwechslungsreiche und musikalisch anspruchsvolle Weltreise.
Ursprüngliches und ganz Aktuelles
Jurymitglied Karmina Silec aus Slowenien beschrieb ihre Eindrücke mit den Worten "Ich habe hier viele ungewöhnliche Dinge erlebt. Von ursprünglichen ethnischen Gesängen und Tänzen bis hin zu aktuellster zeitgenössischer Chormusik, von höchst artistischen Folkloredarbietungen bis hin zu energiegeladenen Volkstänzen. Das Harmonie-Festival ist wirklich ganz wunderbar."
Wie bereits bei den zurückliegenden Festivals faszinierten wieder viele Gruppen mit jungen Menschen, die Volkstänze in farbenfrohen Trachten und mit bewundernswertem Engagement vortrugen. Vom Publikum umjubelt wurden auch die Instrumentalensembles aus Costa Rica, Weißrussland und dem Baltikum sowie das große Gesangs- und Tanzensemble der Universität Gdansk (Polen). Besonders die lustigen "Brackley Morris Men" aus England mit ihrem Harmonie-Freund John Weaver, der mit seiner die bösen Geister vertreibenden Schweinsblase um sich schlug, und damit auch Bürgermeister Martin Richard "erwischte", begeisterten die Besucher durch viele spontane Darbietungen.
Rund 2000 Teilnehmende hatten sich mit Hilfe der Festival-Organisation in Hotels, Gasthöfen, Jugendherbergen und Freizeithäusern im Umkreis von 150 Kilometer einquartiert. Gerhard Neunzerling-Dernbach, damals Leiter des Programmausschusses, berichtet: "Besonders gut in Erinnerung sind mir viele Jugendherbergsväter geblieben, die unsere Festival-Idee voll verinnerlicht hatten und uns nach Kräften unterstützten. Alex Hartmann von der Jugendherberge Limburg stellte gegen alle Vorschriften zusätzliche Betten in zum Teil ungenutzten Räumen zur Verfügung und kümmerte sich mit seinem Team rührend um die Gäste. So konnten dort während des Festivals zwei Chöre aus Surinam, ein Kinderchor und ein Folkloreensemble aus Lettland, ein bulgarisches Tanzensemble aus München und ein Jugendchor aus Tschechien übernachten. Die Jugendherberge war voll bis unter das Dach, es wurde oft spontan zusammen gefeiert - Völkerverständigung pur!".
Wie bereits bei den vergangenen Festivals durften viele Chöre und Gruppen die Gastfreundschaft deutscher Familien genießen. 37 Gastgeberchöre und -gruppen im Umkreis von 120 Kilometern zeigten gelebte Gastfreundschaft und aktive Völkerverständigung. So hatten beispielsweise die Mitglieder der "Eintracht" Erbach und des "Sängerbund" Dehrn den "Coro Contraponto" aus Brasilien und das "Vokalensemble Odessa" aus der Ukraine aufgenommen und stellten zusätzlich Helfer für die Bewirtschaftung. Die "Concordia" Niederbrechen frischte ihre guten Kontakte zu philippinischen Chören auf und beherbergte zum wiederholten Mal das "Manila Vocalensemble". Der "Franciscan Choir" aus Kampala (Uganda) wohnte jeweils vier Tage bei den Familien der Sängervereinigung Runkel und des MGV "Freude" Mengerskirchen. Auch der philippinische Top-Chor "De la Salle Voices" fand beim MGV "Eintracht" Hasselbach große Gastfreundschaft. Inge Mäncher aus Altendiez organisierte den Aufenthalt des bulgarischen Frauenchores "Morphova-Propokova" aus Sofia bei Altendiezer Familien und dem Frauenchor Heistenbach bereits zum wiederholten Mal. Weitere Gastgeber aus der näheren Region waren der MGV "Frohsinn Staudt" der Gemischte Chor "St. Barbara" aus Bilkheim, der Tanzclub Holzheim, der MGV "Hoffnung" Heiligenroth und die Realschule Diez mit ihrem Lehrer und Musiker Heinz-Dieter Scheid in Verbindung mit dem MGV "Hoffnung" Herold. Die Gemeinde Hünfelden stellte eine Halle für Übernachtungen eines rumänischen Kinder- und Jugendtanzensembles zur Verfügung. Auch in Lindenholzhausen fand eine Gruppe private Gastgeber rund um Angelika und Claus Fenske.
Das abschließende Preisträgerkonzert wurde einmal mehr zur Gala von hochkarätigen Chören und Folkloregruppen, die damals zur Leistungsspitze der Chorwelt gehörten. Die "University of Louisville Cardinal Singers" (USA) wurden dabei als bester Chor des Festivals mit dem Preis des Bundestagspräsidenten ausgezeichnet. Der Chor musizierte auf der großen Bühne gemeinsam mit dem ebenfalls mehrfach erfolgreichen "Portland State University Chamber Choir" (USA). Die 3000 Konzertbesucher jubelten auch dem "Stockholm Musikgymnasium Youth Choir" (Schweden) zu, der mit drei Kategorie-Siegen erfolgreichster Festivalchor war.
Preisträger sorgen für Begeisterungsstürme
Begeisterungsstürme ernteten auch "El Cafe Chorale" aus San Jose (Costa Rica), "Alye Parusha" aus Rybinsk (Russland), der "Coro Contraponto" aus Petropolis (Brasilien), die Chorgemeinschaft Frickhofen-Weroth (Deutschland), "Imusicapella" aus Imus von den Philippinen sowie der Mädchenjugendchor "Galaktika" aus St. Petersburg. Der faszinierende "Boys" Choir Minsk" aus Weißrussland errang den zweiten Preis bei den gemischten Chören und wurde mit dem Sonderpreis des Bundeskanzlers der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Mit einer herausragenden Bühnenshow der besten Folklore-Ensembles glänzten "Barabushki-Kazachok" aus Riga (Lettland), das "Manila Folk Dance Ensemble" (Philippinen), die Jugendtanzgruppe Solymár (Ungarn), "Eurasia art of dance" aus Stuttgart (Deutschland) sowie "Franciscan Choir and Dance Group" aus Kampala (Uganda).
Neben den Preisträgern wurden auch zwei hoch verdiente Mitglieder der "Harmonie" ausgezeichnet, die seit über 25 Jahren unermüdlich für das Harmonie-Festival arbeiteten und lebten. Diese waren der damalige Vorsitzende Karl-Heinz Dernbach und der ehemalige Leiter der Festivalorganisation, Richard Neunzerling, der mit seinen damals 82 Jahren die Organisatoren noch immer mit Rat und Tat unterstützte. Beide wurden auf Beschluss des Harmonie-Vorstandes zu "Ehrenpräsidenten des Harmonie Festivals" ernannt.
Karl-Heinz Dernbach schildert seine Erinnerung: "Für mich hatte dieses Festival neben der Ernennung zum Ehrenpräsidenten noch einen weiteren besonders emotionalen Höhepunkt. Ich feierte am 9. Mai, einem Montag, meinen 60. Geburtstag. Zum Abschluss des Konzerts der Preisträger am Sonntagabend gratulierten mir nach 24 Uhr der Chor ,University of Louisville Cardinal Singers' (USA), die Sänger der ,Harmonie' und das Publikum mit einem ,Happy Birthday'. Ein für mich unvergessliches Erlebnis!"
Alle interessierten Chöre und Folkloregruppen können sich ab sofort zum Harmonie-Festival 2023 anmelden: Die Ausschreibung gibt es auf der Internetseite www.harmonie-festival.de.
Bild: Harmonie-Freund John Weaver von den "Brackley Morris Men" aus England vertrieb mit einer Schweinsblase böse Geister. FOTO: dieter fluck
Hinweis: Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei.
